Angedacht

„Wie ein dürrer Sand ist meine Seele, wenn ich zu Dir beten möchte, nichts anderes fühlend als ihre eigene Unfruchtbarkeit. Mein Gott, verwandle Du diesen Boden in eine gute Erde, damit Dein Samen nicht umsonst  in sie falle…“

Diese Worte formuliert Sophie Scholl als Einundzwanzigjährige wenige Monate vor ihrem Tod, der sich am 22.Februar zum siebenundsiebzigsten Mal jährt. Gemeinsam mit ihrem Bruder und einem Freund Christof Probst hatten sie am 18.Februar 1943 in der Universität München Flugblätter auf den Fluren verteilt, als sie dabei vom Hausmeister überrascht und an die Gestapo verraten wurden. Nach einem kurzen Prozess vor dem Volksgericht wurde das Todesurteil gegen alle drei vollstreckt.
Hans und Sophie Scholl stammten aus einer bürgerlichen Familie. Glaube und Politik gehörten für sie zusammen. Ihr Vater, der zweitweise Bürgermeister in der württembergischen Stadt Forchtenberg war, stand dem NS-Regime von Anfang an kritisch gegenüber. Er konnte es nicht verhindern, dass seine Kinder Sophie und Hans sich zunächst begeistert in der Hitlerjugend bzw. dem Bund deutscher Mädchen engagieren. Doch zunehmend begriffen sie, welche rassistischen und propagandistischen Tendenzen dort vermittelt wurden.
Mit dem Beginn ihrer Studienzeit - Hans studiert Medizin, Sophie Biologie und Philosophie - kommt es zur Entscheidung, aktiv Widerstand gegen das bestehende System zu leisten. Die jungen Leute besuchen die Vorlesungen des Philosophieprofessors Kurt Huber und diskutieren philosophische und religiöse Fragen, etwa inwiefern Christen als politisch denkende und handelnde Menschen gefordert sind. In der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, deren Gründungsmitglieder sie sind, werden insgesamt 6 Flugblätter verfasst und gedruckt, die im Zeitraum vom Sommer 1942 bis Februar 1943 verteilt werden.
"Es muss ein sichtbares Zeichen des Widerstandes von Christen gesetzt werden. Sollten wir am Ende dieses Krieges mit leeren Händen vor der Frage stehen: Was habt ihr getan?“ schreibt es Hans Scholl in einem Brief an einen Freund.
Die jungen Menschen gingen alle ruhig und gefasst in den Tod. Sophie und Hans Scholl nahmen vor ihrer Hinrichtung das Abendmahl. Als Sophie sich von ihrer Mutter verabschiedete, sagte diese zu ihr: „Nicht wahr, Sophie, denke an Jesus, er nimmt dich jetzt zu sich".
„Aber vertraue auch du auf ihn", antwortete ihr Sophie.
Der gute Same, von dem Sophie in ihrem Gebet sprach, ist trotz ihres gewaltsamen Todes aufgegangen. Ihr Mut und ihre Glaubensgewissheit sind zu einem eindrücklichen Zeugnis geworden.
Wir erinnern uns an ihr Leben und Leiden und sehen dabei die deutlichen Parallelen zu dem, an den sie geglaubt haben.

Holger Sieweck