Angedacht

Fromme Ostereier?!
Ostern ohne Eier - das geht eigentlich nicht. Bemalt oder gefärbt, zum Essen oder als Schmuck, aus „Originalmaterial“ oder Keramik…
Ein Ei steht in der Osterzeit auf meinem Schreibtisch. Es hat eine weite Reise hinter sich. Ich habe es von einer Familie, die aus Russland stammt, geschenkt bekommen. Das Ei erzählt eine biblische Geschichte. Jesus umgeben von Kindern und Eltern. Er hat kleinen Jungen auf dem Schoß und  legt einem Mädchen die Hand zum Segen auf. (Lukasevangelium 18,15-17).
Solche Ostereier werden in Russland vielerorts am Ostertag verschenkt. Dabei spricht man dem anderen den österlichen Gruß zu: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“
Der Name Osterei stammt übrigens aus der Zeit, als die Bauern um Ostern herum dem Gutsherrn eine sogenannte Eiersteuer in Form des runden Hühnerproduktes übergeben mussten. In der Fastenzeit durften keine Eier gegessen werden und so gab es vor Ostern so viele Eier, dass es sich anbot, damit seine Steuer zu bezahlen.
Bunt bemalt wurden die Eier in Deutschland seit dem Mittelalter, in Russland oft einfarbig rot viel eher und in China schon vor 5000 Jahren.
Schon seit Ewigkeiten gilt in vielen Religionen das Ei als Zeichen des Lebens und der Fruchtbarkeit.
Wie die Schale, so zart ist jedes Leben: empfindlich für vieles, anfällig für Gefahren, bedroht, durch zu viel Druck Schaden zu nehmen. Behutsam sollte jeder mit seinem und dem Leben des anderen umgehen.
Das Osterei erinnert mich aber auch an die Zeit, die dem bunten Fest vorangeht: die Leidenszeit Jesu. Schon früh brachten die Christen sein Sterben mit dem Ei in Verbindung. Ausgeblasen –wie ein Osterei- wurde sein Leben am Kreuz in Jerusalem. Dabei hatte Jesus den Menschen so viel Lebendigkeit und Hoffnung gebracht. Neid und Angst vor Machtverlust waren die Gründe, warum einige schließlich Jesu Leben zerschlugen. Doch das sollte nicht das letzte sein. Ostern geschah das Wunder: ein toter und lebloser Jesus wurde zu neuem Leben erweckt. Wie ein Ei, aus dem, so leblos es scheint, neues Leben herausbricht.
Damit ist  jedes Osterei ein Hinweis der Auferstehung. Leben bricht hervor aus  Leblosigkeit und Dunkelheit. Es ist nicht totzukriegen, seit Jesus starb und auferstand. Daran erinnert mich mein „frommes“ Ei auf dem Schreibtisch.
Holger Sieweck