Angedacht

Adventszeit „anders“

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. Jesaja 49,13


Die Advents- und Weihnachtszeit ist voll von eigentümlicher Poesie. In vielen Liedern und Texten, die wir singen und hören, werden Bilder der Natur und des Kosmos für das Kommen Gottes in Jesus zu uns Menschen verwendet.
Ein paar Beispiele - allesamt aus unserem Gesangbuch:
Mein Herze soll dir grünen; er ist die rechte Freudensonn; oh komm du Morgenstern; baut ihm durch Berge und Täler eine Bahn; und hat ein Blümlein bracht; freu dich Erd und Sternenzelt; die Täler rings erhöhet; er, den alle Himmel loben, kommt zur Erde nackt und bloß…

Viele dieser Bilder entstammen alttestamentlichen Texten.
Mit Advent und Weihnachten, wie wir es heute verstehen, haben sie ursprünglich wenig gemein.
So ist es auch mit dem Wort aus dem Jesajabuch, der eine ganz „andere“ Adventszeit beschreibt.
Eine lange Schlange von Menschen bahnt sich ihren Weg durch die Landschaft. Ihre Route geht von Babylon in Richtung Jerusalem. Aufgebrochen sind sie nicht aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen. Dort, wo sie herkommen, ging es ihnen nicht schlecht. Doch ihre Wurzeln liegen in Jerusalem,  von wo aus die Vorfahren Jahrzehnte zuvor verschleppt wurden. In der Gefangenschaft  haben sie sich immer wieder auf die Tradition und Religion ihrer Väter berufen. Die, die nun losgehen, sind überzeugt: Gott, der Herr, wird den Weg ebnen und die Verheißung erfüllen. Die Trennung von Familien und Landsleuten, sie wird ein Ende haben.

Ist es nicht das, was wir alle an Erwartung und Hoffnung in uns tragen?
Dass Menschen befreit werden aus Strukturen von Gewalt und Abhängigkeiten, dass Einzelne und Familien eine Bleibe finden und die Chance, ihr Leben selbst zu bestimmen? Dass alle, gleich welcher Kultur oder Religion sie entstammen, friedlich miteinander auskommen?

Ein paar Menschen haben damals in der Nähe eines kleinen Kindes dieses Glück und die Hoffnung als Erste gespürt. Sie glaubten, dass Gott in Jesus ihnen so nah wie nur irgend möglich kam.
Die Freude darüber greift immer noch um sich. Sie beflügelt nicht nur die Poesie, sondern bewegt auch unser Gemüt.  Sie befreit zu einem Glauben, der es sich nicht nehmen lässt, von der Nähe Gottes zu uns Menschen zu erzählen und mit ihm zu leben.

Holger Sieweck